Das Frühstück als die „wichtigste Mahlzeit des Tages“ – stimmt das?

Jeder kennt das: Wenn man es gerade mühsam geschafft hat, sich aus dem Bett zu quälen ist das einzige, was wirklich notwendig erscheint, der Kaffee. Auch bei uns im Übersetzungsbüro ORBIS ist die Kaffeemaschine stets gut besucht. Doch gemäß der allgemeinen Weisheit sollte diesem auch ein nahrhaftes Essen folgen. Wie stehen wir in Deutschland zu jener Vorgabe? Und ergibt diese aus etymologischer Sicht überhaupt Sinn? Dazu gibt folgender Beitrag mit dem Blick über unsere Landesgrenzen hinaus und mit einigen interessanten Übersetzungen unterstützt, zumindest einen kleinen Denkanstoß.

„Frühstück“- was meint das überhaupt?

Die Wortherkunft im Deutschen deutet dabei schon einmal nicht in diese Richtung: „Frühstück“ – ähnlich der Übersetzungen für das schwedische „frukost“, das dänische „Morgenmad“ oder das italienische „prima colazione“ – deutet nämlich nur auf die Zeit der Mahlzeit hin.

Im Englischen, Französischen und Spanischen hat die etymologische Abstammung des Wortes „Frühstück“ ebenfalls eine gemeinsame Wurzel, führt aber eher in eine andere Richtung.
„Breakfast“ bedeutet eben nicht „die schnelle Pause“, sondern bezeichnet fachübersetzt das Fastenbrechen nach der langen Nacht ohne Nahrungszufuhr. Ebenso verhält sich dies im Spanischen. „Ayuno“ ist das Fasten, „desayuno“ folglich das Fastenbrechen. Das französische Pendant dazu lautet „déjeuner“. Das vorangestellte „petit“ zur Vervollständigung der Bezeichnung für das Frühstück relativiert dies allerdings ein wenig. So ist die Hauptbedeutung von „déjeuner“ nämlich das Mittagessen, und das Frühstück ist demnach das „kleine Fastenbrechen“. Doch verspricht das Wort „Fastenbrechen“ per se schon eine deutlich andere Dimension. Gerade wenn man die Schlemmereien zu Ostern oder die Feierlichkeiten zur Beendigung des Ramadans als zugegebenermaßen größere Formen des Fastenbrechens bedenkt.

Beim Blick ins Russische wird es dann ganz verwirrend: das Wort Frühstück („zavtrak“) wird von dem Wort „zavtra“ abgeleitet, was „morgen“ bedeutet – aber im Sinne „am morgigen Tag“. So ist bei der Übersetzung zu bemerken, dass also immer nur „morgen“ gefrühstückt wird. Hat das vielleicht etwas mit dem deutschen Sprichwort „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute…“ zu tun? Beim Blick auf das Ausmaß passt aber wohl eher das Sprichwort „Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter“. Doch dazu später mehr.

Was wird in aller Frühe aufgetischt?

Auch bei den Zutaten kommen einige Unterschiede auf. Während in Deutschland das traditionelle Frühstück, bestehend insbesondere aus Brot, Butter und Belag, zwar durchaus nahrhaft erscheint, spielt das Ausland teilweise noch einmal in einer ganz anderen Liga. So kann das Frühstück in England aus mehreren Gängen bestehen, inklusive der berühmten „baked beans“. Auch die Amerikaner können schon in aller Früh deftig servieren: Ei, Bacon, Pancakes mit Sirup und/oder Früchten und dazu noch gebratene Wurst versprechen einen zumindest soliden Start in den Tag. Dieser sollte dann erst recht in Russland gelingen. Das dortige Frühstück („zavtrak“ s.o.) lässt keine Wünsche offen. Brei, Reis, Zucker, Würstchen, Bratkartoffeln, Fleischsoße, Eierspeck und Brot würden hierzulande wohl eher einen Verdauungsschlaf und eine Rückkehr ins Bett provozieren. Nicht ganz so deftig, aber in die gleiche Richtung tendiert man in Teilen Asiens und der Karibik. Dort gibt es mit diversen Reisgerichten bereits eine warme Mahlzeit zum Frühstück. Diese Vielfalt zeigt sich auch in unserem Übersetzungsbüro: Salat, Müsli, Brot, Joghurt, Eier – nur die warme Küche hat sich noch nicht durchgesetzt.

So stellt man fest, dass wir in Deutschland bei der „wichtigsten Mahlzeit des Tages“ ein wenig hinterher hinken. Betrachtet man allerdings die Zahl der „Frühstücksverweigerer“ in Europa und den USA, die zwischen 10 und 30% liegen soll, wird dieses Statement ohnehin zumindest fragwürdig…