Pidgin- vs. Kreolsprachen: Von einer Mischform zu einer eigenen Sprache

In unserem heutigen Blogbeitrag möchten wir Ihnen den Unterschied zwischen Kreol- und Pidginsprachen erläutern. Haben Sie noch nie etwas davon gehört oder wissen nicht, wie sich beides voneinander unterscheidet? Dann lesen Sie gerne weiter:

Durch unterschiedliche Sprachen werden kulturelle Unterschiede besonders deutlich, da sie dadurch „hörbar“ werden. Interessant wird es, wenn sich Sprachen mischen und ganz neue Dialekte und Sprachformen daraus entstehen. Durch die Kolonialisierung, die im 15. Jahrhundert begann und durch die sich europäische Handels- und Flottenmächte auch außerhalb ihres Heimatkontinents ansiedelten, entstanden Schnittpunkte zwischen der indigenen Bevölkerung und den Kolonialmächten. So entstandene neue Mischsprachen, die sich als Auswirkung dieser Berührungspunkte bezeichnen lassen.

Pidginsprachen

Pidgin- und Kreolsprachen sind sogenannte Mischsprachen, die aus dem Kontakt von Sprechern entstehen, die keine gemeinsame Muttersprache teilen. Durch die Notwendigkeit des Kommunizierens entstand eine Variante, die sich meist an der Kolonialsprache orientierte, allerdings nach dem Muster der jeweils eigenen Muttersprachen angewandt wurde, da die Sprecher auf die Grammatik der bekannten Sprache zurückgriffen. Die Kolonialsprachen wie Englisch, Französisch, Portugiesisch, Niederländisch, Arabisch oder Russisch dienten dann als Basis und wurden mit den grammatischen Regeln der eigenen Sprache gesprochen. Dies nennt man Pidginsprache.

Kreolsprachen

Eine Pidginsprache wird für Sprecher der zweiten Generation zur Muttersprache, sodass aus ihr eine Kreolsprache wird. Dieser Prozess wird als Kreolisierung bezeichnet. Während die Sprecher, die die Pidginsprache erschaffen haben, die Mischform lediglich als Zweitsprache sprechen, wächst die darauffolgende Generation von Sprechern mit ihr auf. Kreolsprachen waren also in ihrem Anfangsstadium Pidginsprachen, die allerdings hauptsächlich gesprochen und nicht geschrieben wurden und daher meist nicht aktenkundig sind.
Ein Beispiel für eine Kreolsprache ist das haitianische Kreol, das 10 Millionen Sprechern als Muttersprache dient. Es entstand durch das Aufeinandertreffen von Sklaven unterschiedlicher Herkunft, die auf den Plantagen arbeiteten und eine gemeinsame Form der Kommunikation finden mussten. Das kreyol ayisyen (auf Französisch créole haïtien) setzt sich aus verschiedenen afrikanischen Dialekten zusammen und hat als Basis die Kolonialsprache Französisch, die noch heute neben dem Kreol Amtssprache auf Haiti ist.

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